Riserva Wein: Marketing oder Qualität?

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Was lange währt, wird endlich gut. Vom Weinberg über den Keller bis in die Flasche gibt es eine Zutat, die die Entstehung wirklich großer Weine stärker beeinflusst als alle anderen: Zeit. Und Zeit ist das Ass im Ärmel der italienischen Riserva Weine. Durch besonders lange Reifezeiten werden aus ohnehin schon hochwertigen Weinen wirklich außerordentliche Tropfen mit Feinschliff, Tiefgang und unvergleichlicher Eleganz. In diesem Artikel entdecken wir gemeinsam, was genau hinter dem Begriff Riserva steckt und was dieser vielversprechende Begriff für das Weinerleben bedeutet.

 

Was bedeutet Riserva?

Die Zusatzbezeichnung Riserva kennzeichnet italienische Weine, die vor ihrer Marktfreigabe besonders lange gereift wurden. Nur DOC, DOCG oder DOP Weine, also ausschließlich italienische Qualitätsweine mit geschützten Herkunftsbezeichnungen, dürfen diese Bezeichnung tragen.

Selektion Riserva 

 

Wie lange reifen Riserva Weine?

Ob und wann genau ein Wein als Riserva gilt, ist von Gebiet zu Gebiet und Sorte zu Sorte unterschiedlich. Manche Vorgaben setzen neben einer bestimmten Gesamtreifezeit auch eine vorgegebene Reifedauer im Holzfass oder der Flasche voraus. In der Regel lässt sich Folgendes feststellen:

  • Rotweine reifen mindestens 24 Monate.
  • Weißweine reifen mindestens 12 Monate.
  • Schaumweine, die mittels Tankgärung gewonnen werden, reifen mindestens 12 Monate.
  • Schaumweine, die mittels Flaschengärung gewonnen werden, reifen mindestens 36 Monate.

Genaugenommen beziehen sich diese Angaben immer auf eine zusätzliche Reifezeit zur Mindestreife der jeweiligen Weine. So sind für einen Amarone della Valpolicella bereits 24 Monate Reife Grundvoraussetzung. Ein Amarone della Valpolicella Riserva reift also mindestens 48 Monate.

 Drucktank und Eichenfässer

 

Bedeutet Riserva automatisch bessere Qualität?

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Riserva ein gewisses Extra an Finesse und Komplexität im Vergleich zu einem herkömmlichen Wein verspricht. Da die Voraussetzung für die Bezeichnung Riserva bereits die geschützte Herkunftsbezeichnung ist, dürfen Riserva Weine getrost als absolute Qualitätsweine verstanden werden.

Es gibt natürlich auch erstklassige Weine, die sogar die Anforderungen für den Riserva-Zusatz erfüllen würden, aber dennoch keine Riserva Weine sind. Gründe dafür kann es verschiedene geben: Einerseits entschließt sich vielleicht eine Kellerei oder ein Winzer schlicht dafür, die Angabe nicht offiziell eintragen zu lassen und den Wein einfach als DOC oder Ähnliches zu vermarkten.

Andererseits kann es auch sein, dass es für eine bestimmte Rebsorte noch keine offiziellen Richtlinien für eine Riserva-Variante gibt, wie es z. B. beim Vernatsch „Sankt Anna“ vom Weingut In der Eben der Fall ist. Trotz 24 Monaten im Holzfass trägt er nur das DOC aber kein Riserva.

Vernatsch "Sankt Anna" - In der Eben 

 

Wie schmecken Riserva Weine?

Die lange Reifezeit von Riserva Weinen führt allgemein zu einem komplexeren organoleptischen Profil. Durch das Zusammenspiel von Sauerstoff, Säuren, Alkohol und evtl. dem Behältermaterial entstehen bei der Reifung sogenannte Sekundär- und Tertiäraromen. Eine kurze Erklärung zu den verschiedenen Aromatypen und wie sie entstehen:

  • Primäraromen: Typische Aromen die von der Rebe selbst gebildet werden.
  • Sekundäraromen: Aromen die im Keller durch Fermentation oder Fassreifung entstehen.
  • Tertiäraromen: Aromen die durch die Reifung in der Flasche.

Diese Reifearomen sind kennzeichnend für Riserva Weine und können sich von Rebsorte zu Rebsorte unterschiedlich gestalten. Bei Rotweinen finden wird häufig Noten von Trockenfrüchten, Leder, Tabak oder Waldboden wieder. Bei Weißweinen hingegen Aromen von Nüssen, Gewürzen, Hefenoten oder reifer Südfrucht.

 

Was sind Südtirols wichtigste Riserva Weine?

Da 98% der in Südtirol gekelterten Weine Qualitätsweine mit DOC-Bezeichnung sind, ist auch die Anzahl an hervorragenden Riserva Weinen dementsprechend groß. Darunter gibt es zahlreiche Prachtexemplare, die sowohl qualitativ als auch preislich in der internationalen Oberliga mitspielen. Aber auch im mittleren Segment finden wir einige Riserva, die sich nicht verstecken müssen.

Lagrein Riserva

Eine der allgemein bedeutendsten Rebsorten Südtirols ist der Lagrein, der sich auch als Riserva ausgezeichnet macht. Charakteristisch sind für Lagrein Riserva ein dunkles Beerenaroma mit warmen Gewürznoten und Aromen von Bitterschokolade und Tabak. Am Gaumen sind sie füllig, warm, mit weichem Tannin und guter Länge.

Lagrein "Burgum Novum" - Castelfeder

 

Blauburgunder Riserva

Südtirol gilt als die Wiege der besten Blauburgunder südlich des Alpenkamms und dieser exzellente Ruf ist sicherlich auch den Riserva Exemplaren des Pinot Noir zu verdanken. Sie strahlen mit einem intensiven Fruchtbukett mit betonten Trockenfruchtaromen und balsamische Noten. Am Gaumen halten sich frische Säure und samtiges Tannin harmonisch in der Waage.

Blauburgunder Riserva - St. Michael Eppan

 

Weißburgunder Riserva

Südtirol bietet den Burgundersorten eine zweite Heimat und so entfaltet sich auch der Weißburgunder hierzulande prächtig. Riserva Varianten bereichern das fruchtig blumige Grundaroma mit Würze, Kräuternoten und Aromen von Brotkruste. Am Gaumen gewinnt der Pinot Blanc mit zunehmender Reife gerne an Kraft und Fülle, ohne seine klare Frische einzubüßen.

Weißburgunder Riserva "Klaser Salamander" - Weingut Niklas

 

Chardonnay Riserva

Südtiroler Chardonnay gilt weithin als eleganter, fruchtbetonter Wein mit großem Schmeichelpotenzial – Qualitäten die er als Riserva auf Hochglanz poliert. Das Fruchtaroma nimmt eine betont exotische Färbung von Mango, Ananas und Banane ein und wird gerne mit Noten von Butter oder Vanille verfeinert. Der Geschmack gewinnt durch cremige Konsistenz und einnehmende Fülle an Eleganz.

Chardonnay Riserva "Vigna Crivelli" - Peter Zemmer